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Werbellinsee – Wrack am Dornbusch

21 Jun. 2017 Verfasst von Jörg Komarowski

Es war einmal…..Nein, kein Märchen. Sondern ein schöner sonniger Samstagmorgen im Landkreis Barnim. Unweit von Neuruppin entfernt, immer der B167 in Richtung Polen folgend führte der Weg am 10. Juni 2017 an den Werbellinsee.

Der Werbellinsee entstand während der letzten Eiszeit im Jahre 24.000 bis 22.000 v. Chr. in der so genannten Brandenburg-Phase. Dabei sorgte Schmelzwasser unter dem Eis dafür, dass Boden abgetragen wurde und eine Hohlform bildete. Durch diese Hohlform entstand der heutige Rinnensee mit einer Fläche von 7,65km². Mit einer Höhe von 43,2m über dem Meeresspiegel und einer maximalen Tiefe von 55m liegt der tiefste Punkt somit 12m unter dem Meeresspiegel. Damit ist der Werbellinsee der zweittiefste See Brandenburgs hinter dem Großen Stechlinsee in Oberhavel (max. Tiefe 70m). Der Ruppiner See in Neuruppin hat die gleiche Entstehungsgeschichte wie der Werbellinsee, ist aber mit seinen 12.000 Jahren etwas jünger.

Dies ist aber nicht der Grund warum der Werbellinsee ein beliebtes Ausflugsziel für Taucher ist. Vielmehr spielt hier eine andere Epoche die Rolle. Denn im 18. und 19. Jahrhundert sanken mehrere Kaffenkähne im Werbellinsee. Diese Last-Segelkähne wurden überwiegend mit Ziegeln und Steinen aus der Region beladen, um sie über den Werbellinsee nach Berlin zu bringen. Berlin befand sich zu dieser Zeit in einem regelrechten „Bauboom“, sodass Baumaterialen sehr gefragt waren. Die Kaffenkähne bestanden aus Holz, waren zwischen drei bis vier Metern breit und hatten eine Länge von dreißig bis vierzig Metern. Daher boten sie zu der damaligen Zeit eine wirtschaftliche Art große Mengen zu transportieren. Zum Ende des 19. Jahrhunderts konnten die großen Kaffenkähne Ladung bis zu 200 Tonnen aufnehmen. Im Vergleich mit der Transportmöglichkeit eines Pferdefuhrwerkes war das ein gigantischer Fortschritt.

Jedoch reichte die Kapazität nicht aus, bzw. wurde diese über ihre Grenzen hinaus ausgereizt, sodass mehrere Kähne auf Grund ihres geringen Tiefganges bei Sturm kenterten. War es der Besatzung nicht rechtzeitig möglich die Ladung abzuwerfen und den Tiefgang zu verringern musste der Kapitän seinen Kahn aufgeben.

So führen nicht die Brotkrumen, wie im Märchen zurück nach Hause, sondern in dem Fall die Ziegelsteine zu versunkenen Kaffenkähnen.

Das wohl bekannteste und am meisten betauchte Wrack im See ist das Wrack am Dornbusch. An einer kleinen Badestelle mit Parkplatz direkt an der Straße gelegen bot sich eine gute Möglichkeit die Ausrüstung zusammenzubauen und eine Einweisung vorzunehmen. Trotz der zeitigen Ankunft um 07:45 Uhr war bereits ein Taucher im Wasser gewesen und war nun schon wieder am Einpacken.

Die sechs Taucher aus Neuruppin bildeten drei Paare, welche eigenständig den See erkundeten. Da auf dem See bis heute reger Bootsverkehr herrscht, wurde eine Boje gesetzt um den Freizeitkapitänen zu signalisieren, dass dort Taucher im Wasser sind.

Etwa fünfzehn Meter vom Ufer entfernt bilden ein Toilettenbecken und ein Leitpfosten eine Art Wegweiser zum Wrack. Von dort führt ein geradeaus Kurs nach etwa sieben Minuten zum Wrack. Herunter an einer steilen Wand taucht aus dem schwarzen Nichts der hölzerne Bug des Kaffenkahns auf. Dies war ein beeindruckender Augenblick. Die Natur hat sich inzwischen dem Wrack angenommen und es zum größten Teil mit Sand bedeckt. Nichtsdestotrotz kann man vom Bug (28m) hinab bis zum Heck (36m) des Kahns tauchen und die Geschichte miterleben. So erkennt man noch heute die Ladung, bestehend aus Ziegelsteinen und eine zusammengefallene Hütte. Nachdem der Luftvorrat stetig abgenommen hatte musste der Aufstieg vorgenommen werden. Leider war die Zeit viel zu kurz, sodass ein erneuter Ausflug ganz weit oben auf der To-Do-Liste steht.

Beeindruckend war ebenfalls die sehr gute Wasserqualität, sodass man Sichtweiten von bis zu zwölf Metern hatte. Das sonnige Wetter bei 20°C Außentemperatur sorgte für wunderschöne Lichtspiele unter Wasser. So waren diverse Fische zu beobachten und eine grüne Unterwasserpflanzenwelt zu erkunden.

Wie so oft bleiben die Erinnerungen und das ein oder andere Foto und die Gewissheit, dass wir wiederkommen werden.

Verfasst von Stefan S.

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